Die Religionen des Archaischen Universums

Das archaische Universum ist eine Welt voller Magie und Wunder. Es ist eine Welt, in der die Götter unter den Menschen wandeln, in der das Unmögliche alltäglich ist. Trotzdem stehen die Bewohner der zahllosen Planeten, die das archaische Universum füllen, den letzten philosophischen Fragen genauso hilflos gegenüber wie wir.
Woher kommen wir?
Wohin gehen wir?
Und was ist der Sinn unseres Lebens?


Der Canon Universalis

Natürlich haben die machtvollen Göttlichen Rassen auf diese Probleme eine vorformulierte Antwort. Ihre Sicht der Dinge steht niedergeschrieben im Canon Universalis. Dieses heilige Buch definiert die einzige „offizielle“ Religion. Alle anderen metaphysischen Philosophien gelten als Häresie. Der Canon beschreibt die Geschichte des Universums, vom Anbeginn der Zeit an. Er berichtet, wie sich vor dem Entzünden der solaren Feuer die vier präilluminierten Götter Aion, Urial, Stahl und Daar einst an einem Ort namens Thule trafen.
Dort beschlossen sie, eine gewaltige Kugel voller Lichter zu schaffen, damit sie ihre eigenen, edlen Antlitze schauen konnten. Auf Urial entfiel die schwere Last der schmerzhaften Geburt des Lichtes. Doch als sie schließlich die ersten stellaren Feuer zur Welt gebracht hatte, setzte ein schier unendlicher Geburtsstrom ein, der Sonne um Sonne aus ihrem Schoss quellen ließ. Die rasenden Schmerzen, die sie dabei erdulden musste, gab sie als Erbe weiter an sämtliche weibliche Wesen des Universums. Am Ende der langen Geburt presste sie schliesslich Scarch aus sich raus, den Herren des Feuers und der Vernichtung. Scarch wurde von Daar als Sohn anerkannt und war damit der erste postilluminierte Gott. Natürlich gibt es zahlreiche Abwandlungen dieser Geschichte, von denen viele auf die Bedürfnisse bestimmter einzelner Völker zugeschnitten sind. So wird zum Beispiel in der Version der schlangenhaften Yuan-Ti das Licht des Universums aus einem einzelnen Ei geboren, dass die große Python Uriel zuvor gelegt hatte.
Im weiteren beschreibt der Canon die ruhmreichen Geschichten einer Vielzahl der Mitglieder der göttlichen Rassen. Natürlich werden die speziellen Verhaltensregeln genau definiert, die von Sterblichen eingehalten werden müssen, um ein gottgefälliges Leben zu führen. Denn entsprechend dem Canon Universalis müssen sich die niederen Rassen Zeit ihres Lebens von falschen moralischen Einflüssen reinigen. Ist ihre Seele zum Zeitpunkt des Todes schließlich sauber, so mischt sie sich mit der Energie jenes Gottes, den der Verstorbene am hingebungsvollsten verehrt hatte. Durch diesen ständigen Zustrom von Energie nimmt die Kraft der göttlichen Rassen langsam aber stetig zu, bis ihre Macht einst groß genug sein wird, um Utopia herbeizuführen. Utopia ist laut dem Canon der absolut perfekte Zustand des Universums, in dem alle Wesen und Objekte ihren vorbestimmten Platz einnehmen und im gesamten Kosmos Harmonie herrscht. Und auch über das Schicksal von häretischen, unreinen Seelen weiß das heilige Buch zu berichten: diese vergehen nutzlos in der schwärze des Allumfließenden Aethers. Neben der „wahren“ Version des Canon Universalis existieren einige geheime, häretische Glaubensrichtungen, die von den Jüngern der göttlichen Rassen erbittert verfolgt werden. Eine der bekanntesten dieser Philosophien sollen im Folgenden beschrieben werden.

Nihilismus oder der Weg ins Nichts

Angesichts eines Universums voller Wunder und Zaubererei ist es nicht allzu verwunderlich, dass die Hoffnung auf ein ruhiges, überschaubares Leben nach den Tode ein verlockendes Ziel für zahlreiche Lebewesen darstellt. Die Anhänger des Nihilismus haben diese Idee auf die Spitze getrieben. Sie sind überzeugt davon, dass sich ihre Seele nach dem Tod im Nichts auflöst. Die meisten Nihilisten empfinden diese Aussicht als ungeheuer befreiend und beziehen aus ihrem Glauben eine starke psychische Kraft, die sie zu den erstaunlichsten Taten befähigt.
Natürlich bedeutet der Nihilismus eine direkte Opposition zu den Lehren des Canon Universalis. Mehr noch: ein weiterer Kernpunkt der nihilistischen Philosophie ist die Verneinung des Herrschaftsanspruches der göttlichen Rassen. So ist es zu erklären, dass der Nihilismus als eine der gefährlichsten Formen der Häresie verfolgt wird. Da auf vielen Welten dieser Glaube mit Verbannung bestraft wird, ist es eine logische Konsequenz, dass die Verbreitung des Nihilismus auf der Verlieswelt besonders hoch ist.

Das Licht der Erlösung

Eine weit verbreitete Abwandlung des Nihilismus ist der Glauben an das Licht der Erlösung. Das Licht gilt als ein mythischer Ort des Friedens und der spirituellen Befreiung, an dem sich Lebewesen nach ihrem Tod in reine Seelenenergie auflösen. Der Glauben wird vor allem gespeist durch zahlreiche Berichte von Lebewesen, die mit der Hilfe klerikaler Magie nach einem gewaltsamen Tod zurück ins Leben geholt wurden. Viele dieser Individuen berichten übereinstimmend von einem hellen Licht, mit dem sie sich im Tode vereinten. In diesem Licht – so lauten die Geschichten – fühlt man sich glücklich, frei und leicht und ist in Gesellschaft aller Wesen, denen man sich im Leben nahe fühlte und die ebenfalls verstorben sind. Die Priester der göttlichen Rassen hingegen interpretieren dieses Licht als die spirituelle Energie, des jeweiligen von ihnen verehrten Gottes. Viele Wiederbelebte berichten aber hinter vorgehaltener Hand, dass vom geistigen Einfluss eines Mitgliedes der göttlichen Rassen im Licht der Erlösung absolut nichts zu verspüren war. Demzufolge vernimmt man auch immer wieder Gerüchte von fanatischen Jüngern der göttlichen Rassen, denen aufgrund ihrer Treue eine Wiederbelebung zuteil wurde, die aber nach dieser Resurektion ihren vorherigen Glauben fallen ließen und sich von den Göttlichen Rassen abwandten. Es muss nicht erwähnt werden, dass Anhänger dieses Glaubens im gesamten Universum erbarmungslos gejagt werden.

Die Pazifisten: die Erben der ‚Sanftmütigen Denker‘

Diese ebenfalls verbotene Religion ist hauptsächlich unter den gelben Menschen verbreitet. Sie gründet sich auf eine uralte Legende aus den Urtagen der menschlichen Rassen. Auf den Alabastersteinen des unheiligen Tempels von Ror Katan findet sich die einzige bekannte Niederschrift dieser eigentümlichen Geschichte. Die Pazifisten sehen sich selber als Erben der Tradition der Sanftmütigen Denker aus dieser Legende, obwohl sie nicht soweit gehen, sich als direkte Nachfahren dieses Volkes zu bezeichnen. Dem seltsamen Märchen wird im Allgemeinen keine wirkliche historische Relevanz beigemessen. Bemerkenswert ist aber, dass in der Religion der Pazifisten die Göttlichen Rassen keinerlei Rolle spielen und nicht einmal erwähnt werden. Wichtig für die Pazifisten ist das Einhalten der sieben Gesetze der Vernunft und die Perfektionierung des eigenen Geistes. Viele Pazifisten glauben, dass ihre Seele so lange wiedergeboren wird, bis sie schließlich dem Vorbild der sanftmütigen Denker folgen kann und dieses Universum für immer verlässt, um mit der Hilfe reinster Gedankenkraft einen Ort des Friedens zu finden.

Der Glauben an den göttlichen Aufstieg

Diese Auslegung des Canon Universalis ist bei den hohen Völkern des archaischen Universums weit verbreitet. Insbesondere die Mercanes, die Yuan-Ti und die Riesenvölker sind davon überzeugt, dass in jedem Wesen der Funke der Göttlichkeit steckt. Sie glauben, dass ein Sterblicher auf bestimmten Wegen in der Lage ist, in den Kreis der Göttlichen Rassen aufzusteigen. Dieses Ziel kann zum Beispiel durch das Sammlung von Jüngern und Anhängern erreicht werden, deren gebündelter Glaube einem Individuum genug Energie liefern kann, um zur Unsterblichkeit aufzusteigen. Die Anhänger dieser Philosophie verweisen auf einige Fälle in der langen Geschichte der göttlichen Rassen, bei denen Sterbliche in den Kreis der Götter aufgenommen wurden. So schaffte es zum Beispiel Tjo Annissat, der größte Hexer im Volke der Yuan Ti, die Aufmerksamkeit von Anaspora, der Mutter der Langen Rache, zu erlangen. Anaspora machte ihn zu ihrem Geleibten und Leibwächter und schenkte ihm schließlich die Unsterblichkeit. Der Glaube an den göttlichen Aufstieg ist nicht verboten.  Allerdings wagt es niemand, die Mitglieder der Göttlichen Rassen auf dieses heikle Thema offen anzusprechen, da Respektlosigkeiten dieser Größenordnung im Allgemeinen mit sofortiger Desintegration bestraft werden.

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