Abenteuer in der Verlieswelt

Eine Rollenspielkampagne für D&D 3.5

Die Religionen des archaischen Universums

Das archaische Universum ist eine Welt voller Magie und Wunder. Es ist eine Welt in der die Götter unter den Menschen wandeln, in der das Unmögliche alltäglich ist. Trotzdem stehen die Bewohner der zahllosen Planeten, die das archaische Universum füllen, den letzten philosophischen Fragen hilflos gegenüber.

Woher kommen wir?

Wohin gehen wir?

Und was ist der Sinn unseres Hier seins?

Der Canon Universalis

Natürlich haben die machtvollen Göttlichen Rassen auf diese Probleme eine vorformulierte Antwort. Ihre Sicht der Dinge steht niedergeschrieben im Canon Universalis. Dieses heilige Buch definiert die einzige “offizielle” Religion. Alle anderen metaphysischen Philosophien gelten als Häresie. Der Canon beschreibt die Geschichte des Universums, vom Anbeginn der Zeit an. Er berichtet, wie sich vor dem Entzünden der solaren Feuer die Götter Aion, Urial, Stahl und Daar einst an einem Ort namens Thule trafen.

Dort beschlossen sie, eine gewaltige Kugel voller Lichter zu schaffen, damit sie ihre eigenen, edlen Antlitze schauen konnten. Auf Urial entfiel die schwere Last der schmerzhaften Geburt des Lichtes. Doch als sie schließlich die ersten stellaren Feuer zur Welt gebracht hatte, setzte ein schier unendlicher Geburtsstrom ein, der Sonne um Sonne aus ihrem Schoss quellen ließ. Die rasenden Schmerzen, die sie dabei erdulden musste, gab sie als Erbe weiter an die sämtliche weiblichen Wesen des Universums. Das letzte Wesen, dass sie schließlich heraus presste, war Scarch, der Herr der Vernichtung, der von Daar als Sohn anerkannt wurde. Natürlich gibt es zahlreiche Abwandlungen dieser Geschichte, von denen viele auf die Bedürfnisse bestimmter einzelner Völker zugeschnitten sind. So wird zum Beispiel in der Version der schlangenhaften Yuan-Ti das Licht des Universums aus einem einzelnen Ei geboren, dass die große Python Uriel zuvor gelegt hatte.

Im weiteren beschreibt der Canon die ruhmreichen Geschichten einer Vielzahl der Mitglieder göttlichen Rassen. Natürlich werden die speziellen Verhaltensregeln genau definiert, die von Sterblichen eingehalten werden müssen, um ein gottgefälliges Leben zu führen. Denn entsprechend dem Canon Universalis, müssen sich die niederen Rassen Zeit ihres Lebens von falschen moralischen Einflüssen reinigen. Ist ihre Seele zum Zeitpunkt des Todes schließlich sauber und rein, so mischt sie sich mit der Energie jenes Gottes, den der Verstorbene am hingebungsvollsten verehrt hatte. Durch diesen ständigen Zustrom von Energie nimmt die Kraft der göttlichen Rassen langsam aber bestätig zu, bis ihre Macht einst groß genug sein wird um “Utopia” herbeizuführen. “Utopia” ist laut dem Canon der absolut perfekte Zustand des Universums, in dem alle Wesen und Objekte ihren vorbestimmten Platz einnehmen und im gesamten Kosmos Harmonie herrscht. Und auch über das Schicksal von häretischen, unreinen Seelen weiß das heilige Buch zu berichten: diese vergehen nutzlos in der schwärze des Allumfließenden Aethers.

Neben der “wahren” Version des Canon Universalis existieren einige geheime, häretische Glaubensrichtungen, die von den Jüngern der göttlichen Rassen erbittert verfolgt werden. Eine der bekanntesten dieser Philosphien sollen im Folgenden beschrieben werden.

Nihilismus oder der Weg ins Nichts

Angesichts eines Universums voller Wunder und Zaubererei ist es nicht allzu verwunderlich, dass die Hoffnung auf ein ruhiges, überschaubares Leben nach den Tode ein verlockendes Ziel für zahlreiche Lebewesen darstellt. Die Anhänger des Nihilismus haben diese Idee auf die Spitze getrieben. Sie sind überzeugt, dass sich ihre Seele nach dem Tod im Nichts auflöst. Die meisten Nihilisten empfinden diese Aussicht als ungeheuer befreiend und beziehen aus ihrem Glauben eine starke psychische Kraft, die sie zu den erstaunlichsten Taten befähigt.

Natürlich bedeutet der Nihilismus eine direkte Opposition zu den Lehren des Canon Universalis. Mehr noch: ein weiterer Kernpunkt der nihilistischen Philosophie ist der Widerspruch gegen den Herrschaftsanspruch der göttlichen Rassen. So ist es zu erklären, dass der Nihilismus als eine der gefährlichsten Formen der Häresie verfolgt wird. Da auf vielen Welten dieser Glaube mit Verbannung bestraft wird, ist es eine logische Konsequenz, dass die Verbreitung des Nihilismus auf der Verlieswelt besonders hoch ist.

Das Licht der Erlösung

Eine weit verbreitete Abwandlung des Nihilismus ist der sogenannte “Glauben an das Licht der Erlösung”. Das Licht gilt als ein mythischer Ort des Friedens und der spirituellen Befreiung, an dem sich Lebewesen nach ihrem Tod in reine Seelenenergie auflösen. Der Glauben wird vor allem gespeist durch zahlreiche Berichte von Lebewesen, die mit der Hilfe klerikaler Magie nach einem gewaltsamen Tod zurück ins Leben geholt wurden. Viele dieser Individuen berichten übereinstimmend von einem hellen Licht, mit dem sie sich im Tode vereinten. In diesem Licht – so lauten die Geschichten – fühlt man sich glücklich, frei und leicht und ist in Gesellschaft aller Wesen, denen man sich im Leben nahe fühlte und die ebenfalls verstorben sind. Die Priester der göttlichen Rassen hingegen interpretieren dieses Licht als die spirituelle Energie, des jeweiligen von ihnen verehrten Gottes. Viele Wiederbelebte berichten aber hinter vorgehaltener Hand, dass vom geistigen Einfluss eines Mitgliedes der göttlichen Rassen im Licht der Erlösung absolut nichts zu verspüren war. Demzufolge vernimmt man auch immer wieder Gerüchte von fanatischen Jüngern der göttlichen Rassen, denen aufgrund ihrer Treue eine Wiederbelebung zuteil wurde, die aber nach dieser Resurektion ihren vorherigen Glauben fahren ließen und sich von den göttlichen Rassen abwandten. Es muss nicht erwähnt werden, dass Anhänger dieses Glaubens im gesamten Universum erbarmungslos gejagt werden.

Die Pazifisten oder das Volk der sanften Denker

Diese ebenfalls verbotene Religion ist hauptsächlich unter den gelben Menschen verbreitet. Sie gründet sich auf eine uralte Legende aus den Urtagen der menschlichen Rassen. Auf den Alabastersteinen des unheiligen Tempels von Ror Katan findet sich die einzige bekannte Niederschrift dieser eigentümlichen Geschichte. Um das Verständnis des Glaubens der Denker zu vereinfachen, sei sie an dieser Stelle wiedergegeben:

Jenseits der Zeit und jenseits des Schwarzen Aethers lebte das Volk der sanftmütigen Denker. Es war niemals zahlreich. Ebenfalls an diesem entfernten Ort lebte das Volk der heißblütigen Krieger. Die Anzahl der Krieger war stets größer als die Anzahl der Sandkörner in der Wüste. Eines Tages trafen die Krieger auf die Denker und natürlich kam es zu einem Streit, bei dem alle Denker bis auf drei erschlagen wurden. In ihrer größten Not, umgeben von Feinden, sahen die Denker keinen Ausweg. Also fassten sie sich an den Händen, schlossen die Augen und wünschten sich an einen Ort ohne Streit und Krieg. Da es diesen Ort nirgends im Universum gab, ließen sie ihn mit der Macht ihrer vom Tode bedrohten Seelen Wirklichkeit werden, und verschwanden so just in jenem Moment, als die Schwerter der Krieger auf sie einschlugen, um sie zu töten. Der Ort an den sie kamen, war voller Ruhe und die Denker wussten, dass sie in Sicherheit waren. Also beschlossen sie, diesen Ort der Leere und Ruhe mit Hilfe ihrer Gedankenkraft mit Materie zu füllen. Schon bald war deshalb der Ort der Zuflucht erfüllt mit den selben Dingen, die die Denker auf ihrer Flucht zurück lassen mussten: den Felsen, den Flüssen, den Bäumen, dem Himmel, dem Meer und allen Lebewesen. Sie gründeten ein neues Volk, dass nur von Verstand und Liebe geleitet wurde. Doch obwohl sie im Überfluss lebten, litten die Denker schon bald an Hunger. Denn sie waren schlechte Jäger und nur mäßige Bauern und so sehr sie sich es wünschten, dass Korn wollte sich nicht selber dreschen und das Wild wollte sich nicht selber fangen. Also lernten sie Handwerk, Ackerbau und Jagd. Und aus den Handwerkern wurden Kaufleute und aus den Jägern wurden wieder Kriege; und schon bald drohte das Blutvergießen erneut zu beginnen. Doch sieben weise Denker aus den alten Tagen waren noch am Leben. Sie setzten sich zusammen in einen Kreis und schrieben sieben Gesetzte der Vernunft auf einen mächtigen Obelisken. Die Gesetze waren:

1. Kein Mensch tötet einen anderen Menschen.

2. Kein Mensch fügt einem anderen Menschen Schaden an Leib oder Seele zu.

3. Kein Mensch nimmt sich eines anderen Menschen Habe, gegen dessen Willen.

4. Kein Mensch ist besser oder schlechter als ein anderer.

5. Kein Mensch macht alleine Gesetze.

6. Die jungen Menschen ehren die alten.

7. Die alten Menschen schützen die jungen.

Die sieben Gesetze der Vernunft ließen den Frieden für kurze Zeit zurück kehren. Bald aber brach wieder der Krieg aus und wieder jagten die Krieger die Denker. Und wieder wurden die Denker bis auf drei erschlagen. Und wieder flohen diese letzten drei durch die Macht ihrer Gedanken und erschufen wieder eine neue Welt im Aether, die zuerst voller Frieden war. Doch zurück ließen sie eine weitere Welt unter Tausenden, auf der das Schwert des Krieges regiert.

Die Pazifisten sehen sich selber in der Tradition der “sanftmütigen Denker” aus der Legende, obwohl sie nicht soweit gehen, sich als direkte Nachfahren dieses Volkes zu bezeichnen. Dem seltsamen Märchen wird im Allgemeinen keine wirkliche historische Relevanz beigemessen. Bemerkenswert ist auch, dass in der Religion der Pazifisten die Göttlichen Rassen keinerlei Rolle spielen. Einzig wichtig für die Pazifisten ist das Einhalten der sieben Gesetze der Vernunft und die Perfektionierung des eigenen Geistes. Viele Pazifisten glauben, dass ihre Seele so lange wiedergeboren wird, bis sie schließlich dem Vorbild der sanftmütigen Denker folgen kann und dieses Universum für immer verlässt, um mit der Hilfe reinster Gedankenkraft einen Ort des Friedens zu finden.

Der Glauben an den göttlichen Aufstieg

Dieser Glaube ist bei den hohen Völkern des archaischen Universums weit verbreitet. Insbesondere die Mercanes, die Yuan-Ti und die Riesenvölker sind davon überzeugt, dass in jedem Wesen der Funke der Göttlichkeit steckt. Sie glauben, dass ein Sterblicher auf bestimmten Wegen in der Lage ist, in den Kreis der Göttlichen Rassen aufzusteigen. Dieses Ziel kann zum Beispiel durch das Sammlung von Jüngern und Anhängern erreicht werden, deren gebündelter Glaube einem Individuum genug Energie liefern kann, um zur Unsterblichkeit aufzusteigen. Die Anhänger dieser Philosophie verweisen auf einige Fälle in der langen Geschichte der göttlichen Rassen, bei denen Sterbliche in den Kreis der Götter aufgenommen wurden. So schaffte es zum Beispiel Tjo Annissat, der größte Hexer im Volke der Yuan Ti, die Aufmerksamkeit von Anaspora, der Mutter der Langen Rache, zu erlangen. Anaspora machte ihn zu ihrem Gefährten u nd Leibwächter und schenkte ihm schließlich die Unsterblichkeit. Der Glaube an den göttlichen Aufstieg ist nicht verboten. Allerdings wagt es niemand, die Mitglieder der Göttlichen Rassen auf das Thema offen anzusprechen, da Respektlosigkeiten dieser Größenordnung im Allgemeinen mit sofortiger Desintegration bestraft werden.

2 Reaktionen zu “Die Religionen des archaischen Universums”

  1. Abenteuer in der Verlieswelt » Blog Archiv » Über die Göttlichen Rassen

    [...] An der Spitze der Macht finden wir die ‘Universellen Götter’: jene Individuen, die im gesamten Archaischen Universum bekannt sind und die an allen Orten verehrt und gefürchtet werden. Doch selbst in diesem kleinen Kreis existiert noch eine Gruppe, die einen besonderen Status hat: die ‘präilluminierten Götter’. Diese 4 Götter sind: Aion, Urial, Stahl und Daar. Sie sind diejenigen, die für sich in Anspruch nehmen, schon vor dem Anbeginn der Zeit, des Raumes und des Lichtes existiert zu haben und die die Schöpfung des Kosmos als ihr Werk. Mehr hierzu findet man in der Abhandlung über die grundsätzlichen Religionen des Archaischen Unive… [...]

  2. Abenteuer in der Verlieswelt » Blog Archiv » Vom Laufe der Zeit. Der Kalender des Archaischen Universums.

    [...] Tag des neuen Jahres – Das “Fest der Präilluminierten”. An diesem Tag werden jene vier Götter gefeiert, die bereits vor dem Entzünden der solaren Feuer existierten, und denen das Universum die Schöpfung verdankt: Aion, Uriel, Stahl und [...]

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