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Karten der Verlieswelt
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Rumo & Die Wunder im Dunkeln
Autor: Walter Moers,
Verlag: Piper Verlag GmbH,
Erschienen: 2003,
Seiten: 695
Jeder zwischen 15 und 55 kennt Walter Moers. Moers malt Bilderbücher, Moers zeichnet Comics, Moers dreht Trickfilme.
Selbst in den Buchabteilungen der gammligsten Kleinstadtkaufhäuser wird man von den Figuren des hyperaktiven Multitalents erschlagen:
allen voran das kleine Arschloch und der unvermeidliche Käptn Blaubeer.
Seit einiger Zeit schreibt Moers auch Fantasy. Seine Bücher spielen ausnahmslos auf der skurrilen Welt Zamonien, auf der übrigens
auch die Kinderbuchfigur Blaubeer seine Geburtsstunde erlebte. Eines der dicksten und interessantes Werke, der Roman Rumo, erschien vor kurzem bei
Piper als Paperback, was als Anlass gelten soll, einen Blick in das Buch zu werfen.
Im Gegensatz zu den anderen Zamonien-Büchern ist Rumo ein waschechter Thriller. Da sind zwar die karikaturhaften Illustrationen und
die bizarren Wesen wie Wolpertinger, Haifischmaden oder Blutschinken, doch Moers schafft es trotzdem den Leser sofort und vollständig
in seinen Bann zu ziehen. Doch bevor ich weiter Rosenblätter über dem Buch verteile, erst mal der Inhalt, den Moers in zwei Bücher aufgeteilt hat:
Im ersten Buch 'Obenwelt' wird Rumo, der Wolpertinger, kurz nach seiner Geburt aus seiner Heimat, dem schönen Fernhachingen, entführt
(klingt irgendwie bayrisch...). Seine Kidnapper sind die blutrünstigen Teufelsfelszyklopen, die den kleinen Pseudohund auf ihre schwimmende Insel
verschleppen. Hier zeigt sich, dass die Zyklopen nicht nur widerlich aussehen, sondern auch ziemlich gefährlich sind. Sie ernähren sich nämlich
ausschließlich von intelligenten Lebewesen und natürlich landet auch Rumo in ihrer Speisekammer. Dort trifft er jedoch Smeik, die Haifischmade,
einen zwielichtigen Typen, der Rumo in kurzer Zeit das Sprechen beibringt und ihm nebenbei jede Menge theoretischer Tricks über die Kunst des
Kämpfens vermittelt. Denn der behäbige Smeik, der auf eine lange Militärkarriere zurückblickt, weiß, dass Wolpertinger die schnellsten und
gefährlichsten Kämpfer von ganz Zamonien sind...
In diesem ersten Passagen des Romans manifestiert sich bereits Moers perfekte Kunst des Fabulierens und Geschichten-Erzählens.
Fast alle Lektionen, die Smeik an Rumo weitergibt, werden in kurze, geniale Storys verpackt, die allesamt zu späteren Zeitpunkten in der Handlung
wieder aufgegriffen werden.
Kurz bevor Rumo und die Haifischmade auf dem Mittagstisch der Zyklopen landen, schickt Smeik seinen jungen Wolpertinger-Champion in eine
atemberaubende Schlacht, an deren Ende Rumo der alleinige Sieger ist.
Nach dieser (ziemlich blutigen) Einführung beginnt Rumos Reise durch Zamonien, die ihn schließlich nach Wolperting führt,
die einzige echte Wolpertinger-Stadt. Hier trifft er Rala, die Liebe seines Lebens, womit dann auch das erste Buch endet.
Im zweiten Teil, Untenwelt, wird die gesamte Wolpertinger-Community bis auf Rumo entführt. Natürlich macht sich der junge Held auf, um seine
Freunde rauszuhauen...
Warum fasziniert diese Buch so ungemein? Ich habe Rumo dreimal verliehen und zweimal verschenkt und niemand
aus diesem Kreis benötigte für die 690 Seiten länger als ein paar Tage. Rumo ist wie eine gute Tüte Chips: Man kann einfach nicht aufhören.
Auf der einen Seite ist da Moers meisterliche Erzählkunst. Seine Charaktere haben Tiefgang, seine Schilderungen sind detailliert und farbenfroh.
Die Originalität steht außer Frage, denn Rumo bewegt sich weitab von Genreschmalz und Herr der Ringe-Kopien.
Auf der andern Seite ist da die Vielzahl an originellen Ideen, die sogar den härtesten Fantasy-Puristen umhauen sollten.
Die wundersamen Wesen, das bizarre Setting und die Vielzahl an verschrobenen, kleinen Storys in der Story sind hochgradig unterhaltsam
und zwingen zum Weiterlesen. Fairerweise muss angemerkt werden, dass Moers an diversen Stellen dann doch auf beliebte Klischees wie sprechende
Schwerter oder sarkastische Untote zurückgreift. Gegen Ende käpft Rumo schliesslich gegen einen Roboter, der die perfekte Mischung aus Terminator
und Darth Vader ist. Und Smeik, die Haifischmade, durchreist in einem Mikro-U-Boot (dem Unterblutboot) einen Wolpertingerkörper in bester
Hollywood-Manier. Das alles macht Moers aber zu "seinen" Ideen, indem er allem einen ironischen Stempel aufdrückt. Die feine Grenze zwischen
gekonntem Zitat und drögem Abschreiben wird niemals verletzt.
Was auf jeden Fall noch erwähnt werden muss, ist die Vielzahl und Qualität der Illustrationen.
Auch hier wächst Moers über sich selbst heraus. Die schiere Anzahl der hochdetaillierten Illus lässt vermuten, dass er
wahrscheinlich genauso viel Zeit ins Zeichnen wie ins Schreiben gesteckt hat.
Für mich ist Rumo einer der wichtigsten Fantasy-Romane der letzten Jahre.
Moers hat mit Rumo das geschafft, woran schon viele vor ihm gescheitert sind: nämlich einen wirklich "deutschen" Fantasy Roman zu schreiben.
Oder kennt jemand einen Ami-Schinken, in dem ein Wolpertinger mitspielt ? ,-)
Wer mehr über Rumo oder die anderen Zamonien Bücher erfahren möchte surft zu: www.zamonien.de, der Homepage von Moers Romanen.
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